Weltfrauentag - Power auf der Leinwand und im Kinosaal / genug Gesprächsbedarf nach Filmende

 

BAD SCHWALBACH - Auf der Suche nach einem selbstbestimmten Leben, fernab von erdrückenden Traditionen und hierarchischen Zwängen. Der erste internationale Film der indischen Regisseurin Leena Yadav erzählt die Geschichte von vier starken Frauen, die sich gegen die starren Traditionen ihres kleinen Dorfes stellen und versuchen, ihr Glück in einer von Männern dominierten Gesellschaft zu finden.

Von einer männlichen Dominanz im Foyer des Bad Schwalbacher Kinos „Bambi und Camera“ kann allerdings nicht die Rede sein. Zur Sondervorstellung des Films „Die Zeit der Frauen“, anlässlich des Internationalen Frauentages 2017, sind fast ausschließlich weibliche Zuschauer gekommen und davon eine ganze Menge. Denn der Kinosaal ist bis auf wenige Plätze ausgebucht. „Wir freuen uns, dass Sie so zahlreich erschienen sind“, begrüßt Kreis-Frauenbeauftragte Rita Czymai die Gäste. Dann geht auch schon das Licht aus und der Zuschauer wird in ein kleines indisches Dorf entführt. Knapp zwei Stunden lang heißt es dann mitfiebern, wenn Rani, Lajjo, Bijli und Janaki für ihre Freiheiten kämpfen oder von der Liebe träumen, aber auch mitleiden, wenn die vier Frauen von ihren Männern getriezt, gemaßregelt, geschlagen oder vergewaltigt werden. Ein emotionaler und sehr berührender Film. Das spiegelt sich auch immer wieder in den Reaktionen der Zuschauer wider. So ertönen im Kinosaal ironische Lacher und empörtes Schnauben, als der vor Wut schäumende Sohn von Rani seiner Mutter entgegenbrüllt: „Ich will sehen, wie ihr als Frauen, das alles hier am Laufen halten wollt“. Rani und ihre Freunde entscheiden sich am Ende jedoch dafür, es gar nicht erst zu versuchen, sondern direkt das Dorf zu verlassen. Ein Happy End mit bitterem Nachgeschmack. „Das war keine leichte Kost“, findet eine Besucherin. Und auch der rege Gesprächsbedarf beim Verlassen des Kinosaals zeigt, dass der Film Eindruck hinterlassen hat.

Im Anschluss an die Vorstellung haben die Organisatoren der Veranstaltung dann noch eine kleine Aktion vorbereitet. Mitarbeiter des Büros für Gleichstellungsfragen und Frauenangelegenheiten und des Arbeitskreises Häusliche Gewalt des Rheingau-Taunus-Kreises, sowie die Frauenbeauftragten der Kommunen und die WIR-Koordinatorinnen Integration, tragen die Statements von Frauen aus der ganzen Welt vor.

Zeichen der Verbundenheit und Solidarität

Die Zitate gehören zu Frauen, die auf der Flucht sind oder denen ihre Rechte aberkannt wurden, die für mehr Gleichberechtigung kämpfen und zu Journalistinnen, die verfolgt werden. „Frauen möchten ihre eigenen Entscheidungen über ihr Leben fällen. Sie nehmen dafür den Tod in Kauf“, wird unter anderem Politikwissenschaftlerin Cigdem Toprak zitiert und an einer anderen Stelle heißt es: „Ich habe Angst, aber ich bin eigentlich eher wütend. Und ich gehe trotzdem raus. Das ist auch meine Stadt“. Mutige Frauen, die schon mit kleinen Dingen wie Solidarität, Stellungnahme oder Kritik unterstützt werden könnten. Die Menschen hier seien in einer Situation, in der sie die Möglichkeit haben, Frauen die aus anderen Ländern in den Rheingau-Taunus-Kreis kommen zu helfen, betont Czymai. Als Zeichen der Verbundenheit und der Solidarität und zur wirtschaftlichen Stärkung von Frauen werden am Ende der Veranstaltung dann noch „Fair“ gehandelte Rosen verschenkt.

 Von Kira Ernst

Quelle: http://www.wiesbadener-tagblatt.de/lokales/untertaunus/bad-schwalbach/weltfrauentag-filmvorfuehrung-fuellt-das-bad-schwalbacher-kino_17739203.htm